Rhythmus oder Takt?

In der Zuversicht lebt das Geheimnis von Gewissheit und Vertrauen, nicht in der Sicherheit, wo die Angst und die Entäuschung leben.

Kein fester Rhythmus im Tages- und Wochenlauf und stets wiederkehrende Tätigkeiten, Lieder, Märchen, Ereignisse etc. sind in unserem Kindergarten das bestimmende Prinzip,  sondern, unser Ziel ist, dass wir uns und mit den Kindern leben. Aus diesem Leben entsteht erst Rhythmus, alles andere ist Takt.

Rhythmus ist keine Wiederholung – keine einzige Welle gleicht der anderen – kein einziger Mensch dem anderen. Anders der Takt  – er verspricht die Wiederholung (auch, wenn er sie nie ganz erreichen kann) – er neigt zum Festen – er gleicht der Maschine – dem Unlebendigen.

Zwischen beiden liegt das Ritual. Es neigt zur Festigkeit – wenn es dort ankommt verändert es sich zum Zwang – ein gutes Ritual muss also dem Leben dienen – und nicht umgekehrt. Nur wenn es sich immer wieder auflöst, mindestens aber ohne weiteres auflösbar ist, bleibt es noch dem Rhythmus verwandt.

Nicht aus dem Ritual und auch nicht aus dem Takt entsteht die Zuversicht, sondern einzig aus dem Rhythmus des lebendigen Lebens. Sicherheit aber schränkt mich ein. Denn ihr liegt zugrunde der Takt und die Wiederholung. Ihr folgt, wenn das sicher geglaubte nicht eintritt, die Angst, oder Entäuschung.

Die Zuversicht beinhaltet nichts dergleichen – sie erwartet nicht – sie vertraut.  Angst und Entäuschung säen wir in die Kinder, wenn wir Rhythmus mit Takt und Wiederholung verwechseln. Denn aus Takt und Wiederholung entsteht die Erwartung und in der Erwartung lebt die Angst. In der Angst schließlich wohnt die Unfreiheit und in der Entäuschung wohnt der Ärger, aus ihm entsteht die Wut und die Zerstörung. Nur, wenn wir das Leben (also das lebendige) zulassen, kann aus der Zuversicht die Gewissheit und aus der Gewissheit das Vertrauen entstehen.

Wir erziehen dann keine pawlowsche Hunde und auch keine Menschen voller Angst, Zwängen und Unmut – wir erziehen dann zur Freiheit.

Allein dadurch, dass wir da sind – wie der Tag und die Nacht.

Rhytmus heißt, dass das Alte das Neue trägt und hervorbringt – entsteht und vergeht…