Anthroposophie?

Wir haben lange geglaubt, die Göttersagen seien aus Mangel aus naturwissenschaftlichen Wissen entstanden. Wer Fakten hat braucht keine Geschichtenbildung. Doch inzwischen ist deutlich geworden, dass zentrale Fakten nicht existieren. Die Welt der modernen Physik stellt uns also lediglich abstraktere Gleichnisse zur Verfügung, gleichsam Mythen der Moderne. Der Mythos der Objektivität hat ihr einen nüchternen Charakter gegeben (Natalie Knapp: anders denken lernen – von Platon über Einstein zur Quantenphysik, Neness 2008, S. 77).

Was Natalie Knapp beschreibt ist kaum Bestandteil unseres gar so modernen Denkens. Wir haben ja im Grunde doch nur Gott gegen den Zufall eingetauscht.

Es ist eine berechenbare Welt, aber diese Welt hat nichts mehr mit meinem Erleben zu tun.

So schreibt Ernst Cassirer darüber: Es ist, als wenn das reine Erkenntnisbewusstsein und das mythische Bewusstsein den Hebel der „Erklärung“ an ganz verschiedenen Stellen einsetzten. Jenes ist befriedigt, wenn es ihm gelingt, das individuell geschehene in Raum und Zeit als Spezialfall eines allgemeinen Gesetzes zu begreifen, während es für die Individualisierung selbst, für das Hier und Jetzt als solches, nach keinem weiteren „Warum“ fragt. Dieses dagegen richtet die Frage gerade auf das Besondere, auf das Einzelne und Einmalige (Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen, Meiner 2010, S. 60).

Ich verliere also das Erleben, meine eigene, individuelle Erfahrung tritt faktisch in den Hintergrund und spielt fortan nur noch eine Nebenrolle. Es ist die wissenschaftliche Autorität, die sich an meine eigene Stelle setzt und mir vorschreibt, wie ich zu denke habe. Auch wenn es so scheint, als wäre ich es selbst.

Und so beschreibt Steiner all das, was Anthroposophie sein soll, sehr deutlich in genau diese Richtung: dass sie ein Geist der Lebendigkeit gegenüber dem Geiste der Abstraktionen ist, daß sie ein Geist ist, der nicht zum Kopf, sondern der zu den Herzen sprechen möchte. Sie bekommt erst ihren Inhalt von dem Leben…sie ist erst eine Wirklichkeit durch das, was durch sie geschieht GA240; S. 236).

Ich bin also schon dann Anthroposoph, wenngleich auch ohne es zu wissen, jedesmal, wenn ich mich auf mich selbst zurückbesinne, selbst erfahre, selber denke.

Mich erhebe über ein rein materialistisches Weltbild, was seit mehr als hundert Jahren unsere Schulen, unser Denken und unser Handeln und damit auch unser Miteinander beherrscht.

Aus diesem herauszubrechen, heißt zu mir selbst zu finden, und sei es, dass ich mir die Welt hernach tatsächlich materialistisch erkläre. Sie könnte aber auch dann nicht jener gleich sein, die heute gelehrt wird – warum? – weiterlesen – Karma

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